Zum 1. Januar 2027 bekommt Deutschland ein neues Instrument für die private Altersvorsorge – und zum ersten Mal überhaupt fördert der Staat damit auch ETFs und Fonds direkt. Das Altersvorsorgedepot tritt an die Stelle der Riester-Rente und soll die private Vorsorge einfacher, renditestärker und für deutlich mehr Menschen attraktiv machen. Falls du dich fragst, ob das für dich etwas ist, wie viel Förderung wirklich drin ist und was der Haken sein könnte: Dieser Überblick beantwortet die wichtigsten Fragen ehrlich und in Ruhe.
Ein Hinweis vorab, weil er wirklich zählt: Der gesamte Rahmen beruht auf dem Gesetz zur Reform der privaten Altersvorsorge, das 2026 verabschiedet wurde. Einzelne Details – gerade bei Steuer und Auszahlung – können sich im weiteren Verfahren und je nach Anbieter noch verschieben. Dieser Artikel ordnet ein und erklärt, er ersetzt aber keine individuelle Beratung.
Was ist das Altersvorsorgedepot überhaupt?
Das Altersvorsorgedepot ist ein staatlich gefördertes Wertpapierdepot, das speziell für die Altersvorsorge gedacht ist. Du zahlst regelmäßig ein – zum Beispiel per monatlichem Sparplan – und investierst das Geld am Kapitalmarkt in ETFs, Fonds oder Anleihen. Anders als bei der klassischen Riester-Rente gibt es keine Beitragsgarantie mehr. Das ist der zentrale Kompromiss: Du verzichtest auf die Garantie, dass am Ende mindestens deine Einzahlungen wieder herauskommen, und bekommst dafür die volle Renditechance des Kapitalmarkts.
Beschlossen wurde das Ganze 2026, gestartet wird zum 1. Januar 2027. Ab diesem Zeitpunkt lassen sich keine neuen Riester-Verträge mehr abschließen – das Altersvorsorgedepot ist also der offizielle Nachfolger.
Neu und für viele entscheidend: Auch Selbstständige dürfen das Altersvorsorgedepot nutzen. Bei Riester waren sie weitgehend außen vor. Damit öffnet sich die geförderte private Vorsorge erstmals für eine große Gruppe, die bisher komplett auf sich allein gestellt war.
Wie hoch ist die staatliche Förderung?
Das Herzstück ist die staatliche Zulage, und sie ist gestaffelt:
| Deine Einzahlung pro Jahr | Zuschuss vom Staat | Maximale Zulage |
|---|---|---|
| bis 360 € | 50 % | 180 € |
| weitere Beiträge bis insgesamt 1.800 € | 25 % | 360 € |
| Summe | bis zu 540 € pro Jahr |
Konkret heißt das: Wer 1.800 Euro im Jahr einzahlt, bekommt bis zu 540 Euro obendrauf – das ist gefördertes Geld, das sofort mitarbeitet und mitverzinst wird. Die Zulage fließt unabhängig von deinem Steuersatz direkt in den Vertrag. Gerade für Menschen mit kleinerem Einkommen ist das wichtig, weil die Förderung eben nicht von einer Steuererstattung abhängt.
Wer mehr zurücklegen möchte, kann über die geförderten 1.800 Euro hinaus zusätzliche, ungeförderte Beiträge einzahlen – bis zu einer Obergrenze von 6.840 Euro pro Jahr. Für diesen ungeförderten Teil gelten eigene steuerliche Regeln, die von der konkreten Vertragsgestaltung abhängen.
Das Finanzamt führt außerdem eine automatische Günstigerprüfung durch: Es rechnet aus, ob für dich die Zulage oder der steuerliche Abzug der Beiträge als Sonderausgaben mehr bringt, und wendet die günstigere Variante an. Du musst dafür nichts separat beantragen.
Der Steuervorteil: nachgelagerte Besteuerung
Der zweite große Hebel ist steuerlicher Natur. In der Ansparphase bleibt dein Altersvorsorgedepot steuerfrei: keine Abgeltungssteuer auf Kursgewinne, keine Vorabpauschale, keine Steuer, wenn du innerhalb des Depots umschichtest oder ein Rebalancing machst. Dadurch kann der Zinseszinseffekt über Jahrzehnte ungebremst wirken – ein spürbarer Unterschied zum normalen ETF-Depot, wo laufend Steuern anfallen.
Versteuert wird erst später, in der Auszahlungsphase. Man nennt das nachgelagerte Besteuerung: Die Auszahlungen im Ruhestand zählen als sonstige Einkünfte und werden mit deinem persönlichen Einkommensteuersatz belegt. Der Clou dahinter ist, dass dieser Steuersatz im Alter für die meisten Menschen niedriger ausfällt als im Berufsleben. Die Steuer wird also nicht erlassen, sondern in einen Lebensabschnitt verschoben, in dem sie voraussichtlich geringer ausfällt. Für viele Sparer ergibt sich daraus unter dem Strich ein echter Vorteil.
Worin kann ich investieren – und was kostet es?
Anlegen kannst du in breit gestreute Kapitalmarktprodukte: Aktien-ETFs, Fonds und Anleihen, die auf einer staatlich definierten Positivliste stehen. Für die meisten Sparer läuft das auf einen simplen, kostengünstigen Welt-ETF-Sparplan hinaus – genau die Bausteine, die sich in der langfristigen Vorsorge über Jahrzehnte bewährt haben.
Für die Kosten ist ein sogenanntes Standarddepot vorgesehen, das mit einfachen Voreinstellungen und einem Kostendeckel von einem Prozent Effektivkosten pro Jahr arbeitet. Daneben wird es frei gestaltbare Depots geben.
Ein Punkt, bei dem du wach sein solltest: Auch Versicherungen dürfen Altersvorsorgedepots anbieten. Dann handelt es sich aber nicht um ein echtes Depot, sondern um eine fondsgebundene Rentenversicherung nach den neuen Regeln – im Kern dasselbe, aber häufig mit Abschlusskosten und höheren laufenden Gebühren. Weil gerade die laufenden Kosten über Jahrzehnte entscheiden, ob der Steuervorteil wirklich für dich arbeitet, lohnt sich hier ein genauer Blick.
Wann und wie kommt das Geld wieder heraus?
Das Altersvorsorgedepot ist auf den langfristigen Vermögensaufbau bis zum Ruhestand ausgelegt. An das Geld kommst du frühestens zum Rentenbeginn, ohne die Förderung zu verlieren. Eine vorzeitige Auflösung gilt als förderschädlich – dann müsstest du die erhaltenen Zulagen und Steuervorteile zurückzahlen.
Die Auszahlung selbst ist deutlich flexibler als bei Riester. Bis zu 30 Prozent des Kapitals kannst du dir auf einen Schlag auszahlen lassen, der Rest läuft als Entnahmeplan oder als lebenslange Rente. Bei sehr kleinen Beträgen ist auch eine komplette Einmalauszahlung möglich. Wählst du eine Leibrente mit Rentengarantiezeit von 10 oder 20 Jahren, werden Auszahlungen bei einem frühen Tod bis zum Ende dieser Zeit an Hinterbliebene weitergezahlt.
Es gibt sogar eine wohnwirtschaftliche Komponente: Unter bestimmten Voraussetzungen lässt sich Guthaben förderunschädlich für den Kauf einer selbstgenutzten Immobilie, für einen altersgerechten Umbau oder für energetische Sanierung entnehmen. Für jüngere Sparer, die in einigen Jahren Eigentum planen, kann das interessant sein – wobei das entnommene Geld dann natürlich nicht mehr für die Rente arbeitet.
Habe ich schon Riester – was mache ich jetzt?
Das ist die häufigste und wichtigste Frage, und die kurze Antwort lautet: nichts überstürzen. Deinen bestehenden Riester-Vertrag jetzt vorschnell zu kündigen, wäre in den meisten Fällen ein Fehler.
Wichtig zu wissen ist, dass ein Wechsel in das neue System eine Einbahnstraße ist. Hast du dein Kapital einmal ins Altersvorsorgedepot übertragen, gibt es keinen Weg zurück in den alten Riester-Vertrag. Bist du bereits in der Auszahlphase, ist ein Wechsel ohnehin nicht mehr möglich.
Der sinnvolle Weg für die meisten: die Zeit bis 2027 nutzen, um die konkreten Angebote der Anbieter abzuwarten und in Ruhe zu vergleichen. Erst wenn die tatsächlichen Konditionen – vor allem die Kosten – auf dem Tisch liegen, lässt sich seriös entscheiden, ob und wie sich ein Wechsel für deine Situation rechnet.
Und was ist die Frühstart-Rente?
Die Frühstart-Rente wird oft in einem Atemzug mit dem Altersvorsorgedepot genannt, ist aber ein eigenes Produkt. Sie richtet sich an Kinder und Jugendliche: Der Staat zahlt für Kinder zwischen 6 und 18 Jahren monatlich 10 Euro in ein eigenes Depot ein. Der Start erfolgt jahrgangsweise, den Anfang macht der Geburtsjahrgang 2020, weitere Jahrgänge folgen in den kommenden Jahren.
Die Idee dahinter ist, jungen Menschen früh die Chancen des Kapitalmarkts nahezubringen und ihnen ein Startkapital für die spätere eigene Vorsorge mitzugeben. Ausgezahlt wird auch hier erst im Rentenalter. Für Eltern ist es damit ein früher, staatlich unterstützter Baustein – aber ein anderer als das Altersvorsorgedepot für Erwachsene.
Die ehrliche Bilanz: für wen lohnt es sich?
Das Altersvorsorgedepot spielt seine Stärken vor allem über lange Zeiträume aus. Wer jung anfängt, regelmäßig einzahlt und die Schwankungen des Kapitalmarkts über Jahrzehnte aussitzen kann, holt aus der Kombination von Zulage, Steuerstundung und ETF-Rendite am meisten heraus. Besonders interessant ist es für zwei Gruppen: für Selbstständige, die bislang von der geförderten Vorsorge ausgeschlossen waren, und für alle, die Riester wegen der mageren Renditen immer gemieden haben.
Ehrlich bleiben muss man aber auch bei den Schattenseiten. Es gibt keine Garantie – der Wert kann zwischenzeitlich unter deine Einzahlungen fallen. An das Geld kommst du im Regelfall erst im Rentenalter. Die Auswahl an Anlageprodukten ist auf die Positivliste begrenzt. Und die spätere Auszahlung wird voll besteuert. Ob sich das Modell gegenüber einem ganz normalen ETF-Depot rechnet, hängt am Ende stark von den laufenden Kosten des jeweiligen Anbieters ab – und genau die stehen heute noch nicht endgültig fest.
Was du bis 2027 tun solltest
Konkrete Abschlüsse sind heute noch verfrüht, weil die entscheidenden Anbieterkonditionen fehlen. Sinnvoll ist stattdessen, die Zeit zur Vorbereitung zu nutzen: dich mit den Regeln vertraut machen, deine bestehende Altersvorsorge einmal ehrlich auf den Prüfstand stellen und die Entwicklung verfolgen, damit du zum Start Anfang 2027 sofort und gezielt handeln kannst, statt dann erst anzufangen zu recherchieren.
Genau dabei helfen wir dir. Sobald die ersten förderfähigen Depots und ihre echten Konditionen feststehen, vergleichen wir sie hier für dich – verständlich, unabhängig und ohne Kleingedrucktes. Wenn du nichts verpassen willst, trag dich in unseren Newsletter ein: Du bekommst die wichtigsten Neuigkeiten zum Altersvorsorgedepot 2027 und erfährst als Erste:r, wenn die ersten Anbieter startklar sind.
Dieser Artikel dient der allgemeinen Information und dem besseren Verständnis des Altersvorsorgedepots. Er stellt keine Anlage-, Steuer- oder Rechtsberatung dar und berücksichtigt nicht deine persönliche Situation. Alle Angaben beruhen auf dem Stand der Reform der privaten Altersvorsorge im Jahr 2026; Details können sich im weiteren Gesetzgebungsverfahren und je nach Anbieter noch ändern. Für eine auf dich zugeschnittene Entscheidung wende dich bitte an eine unabhängige Beratung sowie an eine:n Steuerberater:in.